PHARMAKOLOGIE
In diesem Bereich möchten wir lediglich auf die "gängigsten" Medikamente eingehen, die möglicherweise auch durch den Rett.Ass. selbst verabreicht werden können ("Notkompetenz"), oder er im Umgang mit diesen besonders vertraut sein sollte.

[Atropin]-[Berotec]-[Dormicum]-[Ketanest]-[Nitro]-[Suprarenin]-[Valium]



Atropin:

Zusammensetzung:
Der Wirkstoff ist: Atropinsulfat
- 1 Ampulle enthält: 1 ml. = 0,5 mg.
oder 10ml. = 100 mg.

Anwendung/Indikation:
Atropin ist wohl eines der bekanntesten Parasympatholytika!
Dieser Stoff kann künstlich hergestellt werden, ist aber ursprünglich aus der Natur bekannt.
Vorkommen z.B. in den Blättern und Wurzeln der Tollkirsche (Atropa belladonna) welches 1820 von Rudolph Brandes erstmalig isuliert und nach der Pflanze benannt wurde.
Ebenso kommt Atropin in anderen Nachtschattengewächsen wie z.B. der Alraune, Engelstrompete oder Stechapfel vor.
Chemisch gesehen ist Atropin mit dem Scopolamin und Hyoscyamin verwand.
(bekannt durch Butylscopolamin / "Buscopan" -> Quasi eine chemische Weiterentwicklung.)

Eingesetzt wird Atropin in vielen Bereichen der Medizin. Allerding in doch deutlich unterschiedlichen Dosierungen! CAVE
!
z.B. in:
- der Augenheilkunde, für diagnostische Zwecke zur Pupillenerweiterung
- der Urologie, bei Dysurie, Reizblase oder Inkontinenz
- der Gynäkologie, bei Dysmenorrhoe (schmerzhafte Regelblutung)
- der inneren Medizin, bei Krämpfen im Magen-Darm-Trakt, Bradykardie und Asystolie!
- der Anästhesie zur Narkoseeinleitung
- der Toxikologie bei Vergiftungen mit Alkylphosphaten („E-605“)

Indikationen speziell im Rettungsdienst:
- beim Asystolie, im Rahmen der CPR (durch den RA auch ohne Arzt!). Siehe Rea-Algorithmus!
- bei Bradykardie
- bei Intoxikationen
- zur Narkoseeinleitung (Hemmung der Speichel-, Schleim- und Bronchialmuskulatur)

Wirkungsmechanismus:
Atropin gehört zu der Gruppe der Anticholinergika, die als Antagonisten an dem System des Parasympathikus angreifen und die Wirkung von Acetylcholin hemmen.
Atropin wird daher auch als Parasympatholytikum bezeichnet. Dadurch kommt es zu einer Beeinflussung verschiedener Körperfunktionen, wodurch auch viele Nebenwirkungen dieser Substanz erklärt werden können.

Wirkungseintritt:

nach ca. 1-5 Min.
Wirkdauer:
Bis zu 2 Std.

Dosierung:
Richtwerte:
- Prämedikation/Narkoseeinleitung 0,5 - 1mg. i.v.
- bei Bradykardien sowie Bradyarrhytmien wird 1mg. i.v. verabreicht (Repetition alle 3 - 5 Min.)
-> Maximaldosis: 0,04 mg/kg KG = kompletter Vagusblock! (z.B. bei 80 Kg.Pat. = 3,2 mg.!)
- Bei Asystolie: nach der Initialgabe von Adrenalin 1 mg. Atropin. -> siehe Rea-Algorithmus (bei endobronchialer Applikation wird die Menge verdoppelt).
- Bei Intoxikationen mit Alkylphosphaten und Carbamaten: initial 2 - 5 mg i.v. dann alle 10 - 15 Min. Wiederholung bis Wirkungseintritt!

Nebenwirkungen:
Die allgemeinen Nebenwirkungen von Atropin ergeben sich größtenteils durch die hemmende Wirkung auf den Parasympathikus. Am häufigsten wird eine Mundtrockenheit bemerkt, die für einige Patienten sehr lästig ist. Weitere Nebenwirkungen, die den Verdauungstrakt betreffen können, sind Appetitlosigkeit, Übelkeit, Verstopfung oder Erbrechen. Zusätzlich kann es zu einer Tachykardie und zu zentralnervösen Störungen, wie beispielsweise Unruhe oder Halluzinationen, kommen. Durch eine lähmende Wirkung auf die Muskulatur am Auge können Akkommodationsstörungen die Folge sein, die sich dadurch bemerkbar machen, dass Schwierigkeiten auftreten, einen anvisierten Gegenstand scharf zu erkennen. Außerdem kann sich der Augeninnendruck erhöhen, wodurch sich das Risiko für das Auftreten eines Glaukoms vergrößert. Zusätzlich kann die Abnahme der Schweißdrüsensekretion Rötungen der Haut und einem Wärmestau nach sich ziehen. Ferner können Miktionsbeschwerden auftreten.

Kontraindikationen:
- Tachyarrhythmien / Tachykardie
- akutes Lungenödem
- Glaukom
- bei Vergiftungen keine!

Antidot:
- bei Atropininxoxikation: = Anticholium / Physiostigmin



[Atropin]-[Berotec]-[Dormicum]-[Ketanest]-[Nitro]-[Suprarenin]-[Valium]


Berotec:

Berotec dient zur Sicherung der Atemfunktion. Dieses Notfallmedikament wird nicht nur vom Rettungsdienst als Dosier-Aerosol vorgehalten, sondern ist meistens auch schon im Besitz von Patienten die an obstruktiven Lungenerkrankungen leiden (z.B. Asthma bronchiale).

Zusammensetzung:
Der Wirkstoff ist: Fenoterolhydrobromid
- 1 Sprühstoß = 0,2 mg.!

Indikationen:
- Haupteinsatzgebiet ist das Asthma bronchiale bzw. der akute Asthma Anfall.
- Jedoch wird/kann es auch im Notfall zur Tokolyse (Wehenhemmung) eingesetzt werden ( =Nebenwirkung).

Wirkung:
Fenoterol gehört zur Gruppe der Beta-Sympathomimetika.
Es stimuliert jedoch vorwiegend die Beta-2-Rezeptoren.
Es wirkt erschlaffend auf die glatte Muskulatur und die Bronchialgefäße.
Zusätzlich hemmt es über einen anderen Wirkmechanismus die Freisetzung von bronchokonstriktorisch wirksamen Mediatoren im Rahmen einer allergischen Reaktion.
Durch eine Förderung der Zilienfunktion des Flimmerepithels, wird der Auswurf von Schleim erleichtert.

- In einer etwas höheren Dosierung wirkt Fenoterol auch auf die
Beta-2-Rezeptoren in der Gebärmutter und führt damit ebenfalls zu einer Erschlaffung.

-> Als intravenöse Darreichungsform nutzt man diesen Effekt als Tokolytikum (Wehenhemmer) mit dem Präparat Partusisten. (Ebenfalls gleicher Wirkstoff: Fenoterol).

Wirkungseintritt:

nach ca. 1-5 Min.
Wirkdauer:
Bis zu 8 Std. !

Dosierung (Spray):
Initial 1 Hub Berotec (0,2mg.) beim akuten Asthma Anfall.
-> tritt nach ca. 5 Min. noch keine wesentliche Besserung ein, kann ein zweiter Hub Berotec erfolgen.

Die nächste Anwendung sollte frühestens nach 3 Stunden erfolgen. Eine häufigere und somit höhere Dosierung hat keine weitere bronchospasmolytische Wirkung und erhöht lediglich die Gefahr kardialer Komplikationen!

Nebenwirkungen:
1. Da sich nicht nur in den Bronchialgefäßen, sondern auch in der Skelettmuskulatur

2. Die tokolytische Wirkung ist beim Dosieraerosol eigentlich als unerwünschte Wirkung anzusehen.

3. In hoher Dosierung, bei besonders empfindlichen Patienten oder bei der i.V. Applikation kann es durch Anregung der der Beta-1-Rezeptoren zu Tachykardie kommen.

Kontraindikationen:
- Risikoabschätzung kurz vor der Geburt.
- ausgeprägte Tachykardie.
- bereits durchgeführte Applikation hoher Dosen eines Bronchospasmolytikums wie Fenoterol u.a.



[Atropin]-[Berotec]-[Dormicum]-[Ketanest]-[Nitro]-[Suprarenin]-[Valium]


Dormicum / Midazolam:

Zusammensetzung:
1 Amp. Dormicum gleich 5 ml. enthält 5 mg. Midazolamhydrochlorid.

Indikation:
- Einleitung und Prämedikation einer Narkose.
- Therapie des Status epileticus.
- Analgosedierung in Verbindung mit Ketanest ( Ketamin )

Bei einer Vielzahl von Erkrankungen können verschiedene Erregungszustände ausgelöst werden, Beispiele hier für sind Hirnerkrankungen, Manien, Schizophrenien, Intoxikationen, Entzugssymptome oder andere starke psychische Ereignisse. Dormicum bewirkt bei diesen Erkrankungen einen anxiolytischen Effekt, wodurch eine emotionale Dämpfung bei dem Patienten eintritt.

Ziel einer Prämedikation ist eine Sedierung mit Anxiolyse, eine Analgesie und eine Potenzierung des Anästhetikums.

Bei einem Status epilepticus wirkt das Dormicum antikonvulsiv. Der Vorteil dieses Medikamentes liegt darin, das man es auch intramuskulär spritzen kann, falls man keinen peripheren Zugang legen kann ( z.B. beim direkten Krampfanfall ).

Wirkung:
Dormicum gehöhrt zu der Gruppe der Tranquilizer und ist chemisch betrachtet ein Benzodiazepin. Midazolam ist eng mit dem Valium verwandt, hat aber eine wesentlich kürzere Wirkdauer und ist im Gegensatz zu Valium wasserlöslich. Die kürzere Wirkdauer wird in der Notfallmedizin als vorteilhafter gesehen gegenüber dem Valium.

- im limbischen System, wo Antrieb, Stimmung und Affektivität reguliert wird, befindet sich der Angriffspunkt des Midazolam.
Dadurch das sich das Dormicum an Benzodiazepin-Rezeptoren im Körper bindet, wird eine Dämpfung des zentralen Nervensystems eingeleitet.
- Sedativ bzw. hypnotisch.
- antikonvulsiv durch eine zentrale Heraufsetzung der Krampfschwelle.
- muskelrelaxierend.
- anxiolytisch.
- amnestisch.
Eine anterograde Amnesie tritt jedoch erst bei sehr hohen Dosen auf und wird teilwese als erwünscht gesehen!

Wirkungseintritt:

nach ca. 2-3 Min.
Wirkdauer:
ca. 15-45 Min.
Halbwertzeit:
ca. 1,5-2,5 Std.

Dosierung:
Richtwerte:
- Prämedikation bei Erwachsenen = 0,05 - 0,1mg./kgKG.
- zur Krampfdurchbrechung bei Status epilepticus = 0,2 mg./kgKG.

Nebenwirkungen:
- Senkung des Blutdruckes.
- Atemdepression (vorallem bei älteren Patienten, bei bek. Ateminsuffizienz und bei arteriosklerose).
- In seltenen Fällen können paradoxe Reaktionen ( Erregungszustände ), Übelkeit, Stimmritzen- und Luftröhrenkrampf mit vermehrtem Speichelfluss auftreten.
- Bei einer i.A. Injektion sind Gefäßschäden bis hin zu Nekrosen möglich.
- Schnelle Überdosierung möglich! (als Antidot stehen Anexate zur Verfügung.)

Kontraindikation:
Midazolam darf bei bek. Myasthenia gravis nur unter Intubation gegeben werden, da eine muskuläre Ateminsuffizenz zu eienr Atemdepression führen kann. Bei Patienten mit bek. obstruktiven Atemwegserkrankungen (Asthma) muß eine strenge Indikationsstellung erfolgen.

Kurze Zusammenfassung:
- Dormicum wirkt Sedativ, anxiolytisch und narkotisch.
- atemdepressiv, Anxiolyse und kürzere Wirkung wie Valium.
- gut einzusetzen bei: bei psychisch belastenden Ereignissen, Angstzuständen, epileptischen Anfällen und zur Narkose(einleitung).



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Ketanest / Ketamin:

Zusammensetzung:
- 1 Amp. Ketanest ( zu 2 ml.) enthält 100 mg. Ketaminhydrochlorid.

Indikation:
- Zur Analgesie bzw. zur Analgosedierung
- Bei diagnostischen und therapeutischen Eingriffen zur Kurznarkose.
- Bei therapieresistenten Status Asthmaticus

Wirkung:
Ketamin zählt zu Gruppe der Narkotikas mit kurzer Wirkdauer. Es ist chemisch mit Phencyclidin verwandt, kurz auch unter dem Namen PCP oder "Angel dust" als halluzinogene Rauschdroge bekannt. Diese negativen Eigenschaften sind bei Ketamin jedoch nicht bekannt.

- Der Muskeltonus wird gesteigert.
- Hervorgerufene reversible Sedierung mit Schmerzausschaltung, bei der die Schutzreflexe nicht negativ beeinträchtigt werden.
- Der Patient fällt in einen tranceähnlichen Zustand, wobei die Augen geöffnet bleiben. Auch als "dissoziative Anästhesie" bekannt.
- Eine zerebrale Vasodilatation und eine Zunahme des Sauerstoffverbrauchs des Hirnstoffwechsels und des intrakraniellen Druckes nimmt durch Ketamin zu.
- Anstieg der Herzfrequenz, des Herzminutenvolumen mit erhöhtem Sauerstoffverbrauch und des arteriellen Druckes.
- Sympathomimetische Stimulation und damit verbundene Bronchodilatation.

Dosierung:
Da Narkotika nur nach der Narkosetiefe beurteilt werden, können nur Richtwerte der Dosierung angegeben werden.
Narkoseeinleitung:
Initial 75 - 150 mg = 1 - 2 mg/kgKG langsam i.v.
Analgesie und Status asthmaticus:
0,5 - 1 mg/kgKG

Wirkungseintritt:

nach ca. 30-60 Sek.
Wirkdauer:
- Anästhesie: ca. 10-25 Min.
- Analgesie: ca. 40 Min.
Halbwertzeit:
ca. 2-4 Std.

Nebenwirkungen:
- Tachykardie (dieser negative Effekt kann mit einem Sedativum z.B. Valium od. Dormicum abgeschwächt werden.)
- Bei rascher i.v. Injektion sind Atemdepressionen möglich.
- Häufiger Blutdruckanstieg (mit Sedativa abschwächbar.)
- Durch Überregung der Larynxreflexe kann es zu einem verstärkten Speichelfluß kommen.
- Aufwachreaktion (gesteigertes Geräuschempfinden!) sowie eine Steigerung des Hirndrucks sind möglich.
- Halluzinogene Erscheinungen in der Aufwachphase wurden bisher nicht bei Kindern und älteren Patienten festgestellt.

Kontraindikation:
Die Gabe von Ketamin ist bei Herzinfarkt kontraindiziert, da sich Ketamin ungüstig auf den myokardialen Sauerstoffverbrauch auswirkt!

Wegen seiner hirndrucksteigernden Eigenschaften ist das Narkotikum bei SHT mit spontanatmung sowie bei Apoplex kontraindiziert!

S-Ketanest:
- 1 Amp. S-Ketanest ( zu 2 ml.) enthält 50 mg. Ketaminhydrochlorid.

Das S-Ketamin ist eine neu Form des Ketamins. Es handel sich hierbei um ein linksdrehendes Isomer S (+) des gleichen Wirkstoffes. Es greift bevorzugt am NMDA-Rezeptor (N-Methyl-D-Aspartat) an. Sein "alter Bruder" das R (-) Ketamin dagegen eher am Opiat-Sigma-Rezeptor. Hierdurch erklärt sich das zum Teil gänzlich unterschiedliche Wirkungsverhalten.

Vorteile von S (+) Ketamin gegenüber R (-) Keatamin:
- weniger Spontanbewegungen.
- weniger Arrhythmien.
- kürzere Aufwachphase.
-
therapeutischer Index um Faktor 2,5 größer.
- anterograde Amnesie geringer.
- Konzentrationsfähigkeit weniger beeinflußt.
- höhere analgetische und anästhetische Potenz.

Das S-Ketamin ist ca. 100% anästhetisch wirksamer als das Racemat Ketanest.

Ketamin regt die Stimulation des Herz-Kreislaufsystems an, wodurch der direkte periphere Effekt infolge Katecholaminfreisetzung durch die zentrale sympathische Stimulation ausgelöst wird.

Vergleicht man beide Ketamine, ergibt sich hinsichtlich der Blutdrucksteigerung kein Unterschied. Die Herzfrequenz jedoch steigt unter S (+) Ketamin deutlich geringer an.



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Nitrolingual:

Nitrolingual ist ein Notfallmedikament, das in Ampullenform (Perfusormedikament) oder in Sprayform im Rettungsdienst vorgehalten wird. Zudem ist Nitrolingual auch in Kapselform (1 Kapsel = 0,8mg) verbreitet.

Zusammensetzung:
Der Wirkstoff ist: Glycerolnitrat (Nitroglycerin)
- 1 Kapsel enthält 0,8mg.
- 1 Sprühstoß = 0,4 mg.!
- 1 Ampulle 25ml. = 25mg. oder 50ml. = 50mg.

Indikationen:
Nitrolingual kommt vor allem zur Prophylaxe und Therapie von Angina-pectoris und beim Myokardinfarkt zum Einsatz.
Zudem bei der akuten Linksherzinsuffizienz und beim Lungenödem.
Die orale Darreichungsform (Spray) kann weiterhin bei spastischen Harnleiter- und Gallenkoliken sowie bei der hypertensiven Krise angewendet werden.
(eigentlich nicht primär zur RR-Senkung zugelassen -> Nebenwirkung).


Wichtigste Indikation von Nitro-Präparaten ist die kardiale Ischämie,
wobei das Ziel ist, den Sauerstoffverbrauch zu senken und das Sauerstoffangebot zu vergrößern.

Wirkung:
Preload (Vorlast):
Nitroglyzerin dilatiert primär die venösen Kapazitätsgefäße (Vena cava inferior + superior), hierdurch wird das Blut „gepoolt“ und der venöse Rückstrom zum Herzen nimmt ab. Aufgrund dieser Wirkung nimmt das enddiastolische Volumen ab und dadurch auch die Wandspannung am Herzen. Da die Wandspannung ein wesentlicher Faktor für den myokardialen Sauerstoffverbrauch ist, sinkt dieser nach Applikation des Präparats.
(hohe Wandspannung = hoher Sauerstoffverbrauch).

Neuere Arbeiten haben gezeigt, das Nitrolingual auch einen Einfluß auf die Thrombozyten hat.
Nitro hemmt also auch die Thrombozytenaggregation!


Afterload (Nachlast):
Neben der venösen Dilatation werden bei intravenöser Infusion auch die Arteriolen dilatiert. Hierdurch nimmt die Nachlast des Herzens ab, entsprechend auch der myokardiale Sauerstoffverbrauch.

Die Wirkung bei Harnleiter bzw. Gallenkoliken erklärt sich über die relaxation der glatten Muskulatur.

Koronararterien:
Nitroglyzerin dilatiert die Koronararterien; hierdurch nimmt die Koronardurchblutung zwar insgesamt nicht zu, jedoch wird der Blutfluss umverteilt und die Durchblutung der Endokardregion (ischämiegefährdete Region) verbessert.
(Allerdings ist die Wirkung auf die Koronararterien strittig)

Wirkungseintritt:

nach ca. 1-2 Min.
Wirkdauer:
ca. 30-60 Min.
Halbwertzeit:
ca. 3 Min. !

Dosierung (Spray):
Initial 1 Hub (0,4mg.)
-> dann RR-Messung (reagiert der Patient hypersensibel?)

Bei geringem RR-Abfall max. 2 Hub als Repitionsdosis. (Spraygabe unter die Zunge).
- Bei Nieren u. Gallenkoliken: 2-4 Spraygaben -> RR-Kontrollieren!

-
Man sollte sich überlegen dem Patatienten evtl. vor der Nitro-Gabe einen venösen Zugang zu legen, um bei einem möglichen, plötzlichen Kollaps gegensteuern zu können (Volumengabe + Medikamentös, durch den Notarzt).

Nebenwirkungen:
Durch eine Erweiterung der Hautgefäße ist eine Hautrötung (Flush) und ein Wärmegefühl möglich. Zudem schmeckt das Medikament sehr nach Pfefferminze. Häufig tritt auch der sog. "Nitratkopfschmerz" auf. (Gefäßdilatation im Gehirn). Durch die Absenkung des Blutdruckes kann reflektorisch eine Tachykardie ausgelöst werden und bei hohen Dosen kann es zum RR-Abfall mit Kollaps kommen.

Kontraindikationen:
- Aorten- und Mitralstenose.
- Überempfindlichkeit gegen Nitroverbindungen.
- Hypotonie.
- Cardiogenem Schock.
- AV-Blockierungen.
- Bestimmte Cardiomyopathien.
- Rechtsventrikulärer - Myokardinfarkt.
- Absolute Kontraindikation bei der Einnahme von Viagra!
-> massiver RR-Abfall möglich (evtl. bis Kreislaufstillstand!)


Maßnahmen bei Hypotonie (Kollaps) durch Nitro-Gabe:
- Ruhe bewahren!
- Pat. hinlegen, Schocklage, Wärmeerhalt!
- Volumengabe (500 ml NaCl im Schuss).
- Sauerstoffgabe (4L/min über Nasensonde).
- Engmaschige Vitalzeichenkontrolle (Monitoring).
- Evtl. Antihypotonika vorbereiten (z.B. Akrinor, Dopamin).



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Suprarenin:

Suprarenin ist im Moment "das Notfallmedikament", welches bei der Reanimation zum Einsatz kommt. Sowohl die i.v. Applikation, als auch die endobronchiale Verabreichung, wird im Reanimationsalgorithmus für Rettungsassistenten auch ohne Arzt legitim!

Zusammensetzung:
- 1 Amp. Suprarenin gleich 1 ml. enthält 1 mg. Adrenalin.
- „Stechampulle“ Suprarenin gleich 25 ml. enthält 25 mg. Adrenalin.

Indiaktionen:
- kardiopulmonale Reanimation (CPR).
-
schwere anaphylakrische Reaktion.
- Schock (septisch, anaphylaktisch und kardiogen).
- Bedingt bei Asthma bronchiale.

Wirkung:
Das Hormon Adrenalin, auch Epinefrin bezeichnet, gehört zur Gruppe der Katecholamine und wird im Nebennierenmark gebildet (siehe Text in: Anatomie). Es wird unter Steuerung des autonomen (= vegetativen) Nervensystems direkt in die Blutbahn freigesetzt und wirkt auf adrenerge alpha- und beta-Rezeptoren.

Am Herzen überwiegt die Anzahl der beta-1-Rezeptoren, deren Anregung zu einer Steigerung der Erregungsleitung und der Kontraktionskraft in allen Bereichen des Herzens führt.

Die Wirkung auf die Gefäße erstreckt sich hauptsächlich auf die Arteriolen.
Da Adrenalin sowohl auf alpha- als auch beta-Rezeptoren wirkt, ist der Effekt regional unterschiedlich:
- Die Durchblutung der Skelettmuskulatur wird gesteigert, in Haut und Schleimhäute sowie Gastrointestinaltrakt dagegen vermindert.
- Die Bronchien werden weit gestellt (beta-2-Wirkung)
- Die Nierendurchblutung und die Elektrolytausscheidung wird herabgesetzt.
- Auf den Stoffwechsel wirkt Adrenalin überwiegend durch eine Stimulation der beta-Rezeptoren. Der Blut-Glucose-Spiegel steigt an und es gelangen vermehrt Fette in das Blutserum.
- Die Freisetzung des Hormons Histamin, das bei allergischen Reaktionen ausgeschüttet wird, wird durch Adrenalin gehemmt.

Wirkung von Adrenalin bei der Reanimation:

Durch Wirkung der alpha-Rezeptoren:
- Vasokonstriktion der Arteriolen
- Druckerhöhung in der thorakalen Aorta, Arteria subclavia und A.carotis
- Erhöhtes zentrales Blutvolumen durch konstriktion der Venen

Durch Wirkung der beta-Rezeptoren:
- Steigerung der Schrittmacheraktivität
- Indirekte mechanische Koppelung (durch Calciumionen)
- Steigerung der Kontraktionskraft
- Verstärkung der Amplitude von Kammerflimmern

Die Hauptwirkung von Adrenalin beruht im wesentlichen auf der Herstellung eines ausreichenden koronaren Perfusionsdruckes. (Durch Vasokonstriktion wegen Stimulation der alpha-Rezeptoren). Dies ist gerade in der Anfangsphase der Reanimation entscheidend!

Dieser Mechanismus ist dominierend in der hohen Dosis, die in der Reanimation Anwendung findet. Für die zerebrale Perfusion ist die Tonussteigerung in den großen intrathorakalen Gefäßen gravierend.

Durch die Anregung der beta-Rezeptoren wird ein positiver inotroper Effekt erreicht. Der die alpha-Stimulation sinvoll ergänzt, nachdem ein spontaner Kreislauf aufgebaut worden ist.

Hier noch mal die Kurzform:
1. Engstellung der peripheren Gefäße (alpha-Rezeptoren)
2. Erhöhung der Herzkraft- und der Herzfrequenz (beta-1-Rezeptoren)
3. Erweiterung der Bronchialgefäße (beta-2-Rezeptoren)

Dosierung:
-> Bei Kreislaufstillstand: initial 1 mg. i.v.
(Wiederholung alle 2 - 3 Min. in gleicher Dosis!)

->
Praxistip: wird häufig 1: 10 verdünnt: 1 Amp. Suprarenin auf 9 ml. NaCl.
(1 ml. = 0,1 mg.)
- Bei endobronchialer applikation 2-3 mg.
- Bei Kleinkindern: 0,01 - 0,02 mg./KgKG.

-> Bei anaphylaktischen Reaktionen: Initial 0,1 mg. i.v.
(evtl. Wiederholung der Dosisgabe).

Nebenwirkung:
-
Tachykardie.
-
Gefähr von Extrasystolen.

Interaktionen:
N
icht mit alkalischen Lösungen (Natriumbicarbonat) verabreichen.

Kontraindikationen:
-
Tachykarde Rhythmusstörungen.
-
Bei Reanimation keine.



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Valium / Diazepam:

Diazepam ist wohl eines der bekanntesten Medikamente der Tranquilizer-Gruppe und ist chemisch gesehen ein Benzodiazepin.
Sein Angriffspunkt ist das limbische System im Gehirn, wo Antrieb, Stimmung und Affektivität reguliert werden.
Im Rettungsdienst wird Valium nicht nur zur Sedierung bei Angst- oder Erregungszuständen, oral, i.m. oder i.v. verabreicht, sondern findet auch Anwendung bei der Narkoseeinleitung, zur akuten Epilepsiebehandlung, bei pädiatrischen Notfällen und vielen Anderen mehr.

Zusammensetzung:
- eine Ampulle Valium zu 2 ml. enthält 10 mg. Diazepam.
- eine Diazepam-rektiole enthält 5 mg. oder 10 mg. Diazepam.

Indikationen:
- Angs- und Erregungszustände (von Hyperventilation bis hin zu lebensbedrohlichen Situationen wie Herzinfarkt oder Traumata)
- Prämedikation und Einleitung einer Narkose.
- Bei Krampfanfällen sowie Status epilepticus (mit Valium ist meist ein „Durchbrechen“ des Krampfes möglich, bzw. Anheben der Krampfschwelle wird erreicht.)

Wirkung:
Diazepam lagert sich an spezifische Bindungsstellen im Körper an (Benzodiazepin-Rezeptoren). Seine Wirkung entfalltet es im zentralen Nervensystem (limbischen System) wo Antrieb, Stimmung und Affektivität geregelt werden. Dabei nimmt auch der Überträgerstoff GABA (Gammaaminobuttersäure) eine Schlüsselstellung ein.
Da Diazepam ein sehr breites Wirkspektrum besitzt (auch dosisabhängig), können folgende Wirkungen mit ihm erziehlt werden:

- Sedierung bis hin zu einer kurzen Narkose
- Heraufsetzung der Krampfschwelle (Antikonvulsiv)
- Muskelrelaxierend
- Anxiolytisch
-
Amnestisch (eine anterograde Amnesie tritt allerdings erst bei sehr hohen
Dosen auf. )

Wirkungseintritt: nach ca. 1-3 Min.
Wirkdauer: 0,5 - 3 Std.
Halbwertzeit: 24 - 48 Std !

Dosierung:
Die Dosis sollte immer individuell nach dem Wirkungswunsch bestimmt werden.
Deshalb können auch nur Richtwerte angegeben werden.

Erwachsene: 10 - 20 mg. langsam i.v. (0,15 - 0,3 mg./kg KG)
- Maximaldosis: 100 mg. Inerhalb von 24 Std.

Bei Säuglingen und Kleinkindern: 5 - 10 mg. i.v. oder rektal

Nebenwirkungen:
- leichte Blutdrucksenkung
- Bradykardie
- Ateminsuffizienz / Atemdepression (Vorsicht besonders bei älteren Menschen !)
-
bei zu schneller i.v. Injektion oder zu kleinen Venen, kann es zu einer Venenreitzung kommen (Thrombophlebitis)
- ACHTUNG: Bei intraarterieller Injektion können massive Gewebsnekrosen auftreten! Also NIE i.a. verabreichen !
- Eine i.m. Injektion zeigt sich manchmal als etwas schmerzhaft. Der Patient sollte daher vorher darüber informiert werden.
- paradoxe Reaktionen möglich.

Kontraindikationen:
- bei bestehender Atemdepression und Schlaf-Apnoe-Syndrom (ohne Möglichkeit einer adäquaten Beatmung).
- bei akuten Intoxikationen, besonder bei Alkohol, Schlaf- oder Schmerzmitteln und Neuroleptika.
- bei Myastenia gravis (= Autoimmunerkrankung) nur unter Intubationsbedingungen.
- wärend einer Schwangerschaft sowie der Stillzeit.
-
bei Säuglingen unter dem 4. Lebensmonat.
- beim akutem Engwinkelglaukom.
- bei Patienten mit obstruktiven Lungenerkrankungen (Asthma) sollte eine strenge Indikationsstellung erfolgen.

Interaktionen:
- Bei gleichzeitiger Gabe von anderen zentraldämpfenden Pharmaka sowie Alkohol tritt eine deutliche Wirkungsverstärkung ein!
- Zusammen mit Muskelrelaxantient kommt es zu einer Wirkungsverlängerung.
-
Auch darf Valium nicht mit anderen Medikamenten in einer Spritze vermischt werden, da es zu unverträglichkeiten kommen kann. Ebenso kommt es zu Unverträglichkeiten mit verschiedenen Infusionslösungen. Z.B. HAES oder Jonosteril !

Antidot: Anexate



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